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Freitag, 30. Juli 2010

Tollwut Erfahrungsbericht

Tollwut? – Unmöglich! – Das dachte ich auch.
Trotzdem hat sie mich erwischt. Nein, nicht ausgebrochen, sonst wär ich jetzt nicht mehr hier.
In Deutschland ist Tollwut fast ausgestorben. Die Gefahr der Übertragung ist v.a. über Hunde und Füchse fast bei Null. Die häufigste Verbreitung von Tollwut bei uns passiert über sogenannte Reservewirte (d.h. sie erkranken nicht selber dran, aber sie übertragen den Virus), wie Mäuse oder Fledermäuse.

Und bei mir war es eine Fledermaus. Ich hatte das Fenster zu meinem Badezimmer zum Lüften offen und als ich irgendwann wieder hineinging, umkreiste mich eine Fledermaus (ich wohne auf dem Land). Das fand ich sehr faszinierend. Wer hat schon in seinen eigenen vier Wänden Fledermäuse?! Offensichtlich fand sie nicht mehr hinaus und mittendrin saß sie kurz auf meinem Unterarm, bevor sie erneut ihre Kreise zog und dann doch den Weg in die Freiheit wieder fand. Fledermaus

Am nächsten Tag stellte ich fest, dass ich eine leichte Wunde (wohl ein Biss) an meinem Arm hatte. Den hatte ich gar nicht gespürt. Er hat ausgesehen wie ein kleiner Kratzer, also warum sollte ich beunruhigt sein?

Ich hatte den Biss schon fast vergessen, als mich ca. einen Monat später eine vermeintliche Grippe erwischte. Also bin ich zum Arzt. Dort erwähnte ich nebenbei mein Erlebnis mit der Fledermaus. Mein Arzt geriet beinahe in Panik und erklärte mir, dass ich mir eventuell Tollwut eingefangen hätte, denn grippeähnliche Anzeichen seien die ersten Symptome, die Tollwut auslöse. Die Inkubationszeit betrage zwischen einem und drei Monaten. Daraufhin hat er mir eine Speichelprobe entnommen, die eingeschickt wurde und deren Ergebnis positiv war.

Die Behandlung wurde auch gleich in die Wege geleitet, wobei mir auch gesagt wurde, dass meine Chancen 50:50 seien. Sechs oder sieben Wochen wurde ich mit aktivem und passivem Impfstoff behandelt. Dabei wurden die Abstände immer größer (zwei Tage, vier Tage, eine Woche …). Behandelbar ist das Virus solange, bis es sich durch die Nervenkanäle ins Rückenmark vorgearbeitet hat.

In der Zeit hatte ich Horrorszenarien vor Augen: Ich sah mich mit schäumendem Mund, wie mich Wasser anekelt und das Sonnenlicht ein echtes Problem für mich würde, denn das sind Symptome von Tollwut, wenn sie ausgebrochen ist.

Gott sei Dank ist es nicht soweit gekommen, die Impfung hat bei mir angeschlagen.


Diesen Tollwut-Erfahrungsbericht hat uns freundlicherweise Martin zugeschickt. Vielen Dank, dass wir ihn hier veröffentlichen dürfen!