Blinddarm
Der Arzt, der dann zum Hausbesuch kam drückte ein bisschen hier und da herum, murmelte vor sich hin und ist dann wieder mit den Worten verschwunden, ich solle später in der Praxis vorbeischauen. Als dann noch heftiger Schüttelfrost hinzukam und wir den Arzt erneut riefen, schien die Situation plötzlich gefährlich zu werden, denn er rief sofort den Krankenwagen. Den restlichen Nachmittag habe ich dann damit verbracht, dass verschiedene Fachärzte mir auf dem Bauch herumgedrückt haben, eine Sonografie (umgangssprachlich auch Ultraschall), Blutabnehmen, sämtliche gynäkologischen Untersuchen, die man sich nur vorstellen kann und letztlich ein CT hinter mich zu bringen. Darauf, dass die Ärzte mir zu den Schmerzen unbedingt eine Schwangerschaft anhängen wollten (ich wurde bestimmt 10 mal gefragt) hätte ich gut verzichten können, denn irgendwann glaubt man selbst nicht mehr an sein „NEIN“. Zwischendurch immer wieder durchsetzt von Wartezeiten, in denen ich dachte ich würde jeden Moment umkippen. Einige der Ärzte aus den 2 verschiedenen Krankenhäusern und 4 verschiedenen Abteilungen waren aber sehr nett und Infusionen verhinderten Schlimmeres. Warum nicht gleich klar war Blinddarm?! Weil man normalerweise einen typischen Schmerz im rechten Unterbauch hat, der Schmerz war bei mir aber mittig, was dann zu Spekulationen über Schwangerschaft, Eileiterentzündung u.ä. provoziert hat. Nach der OP kam der Oberarzt in mein Zimmer geschlappt mit den Worten: „Das hat sich ja mal so richtig gelohnt. Die Obduktion des Blinddarms ergab mehrfacher Durchbruch, und Ihr Bauch sah aus wie ein Schlachtfeld, sowas hab ich noch nie gesehen“. Schön, wenigstens einer, der Spaß daran hatte. Ich habe mich aber sehr schnell erholt, auch wenn ich auf die 3 Tage Volldiät, d.h. morgens, mittags, abends Suppe und Zwieback, gut hätte verzichten können (Pizza Hawaii und ich wäre noch schneller gesund gewesen!). Während der ersten Woche bekommt man noch regelmäßig intravinös Antibiotika und Infusionen. Aus dem Bauch ragten 3 Schläuche, da wegen der Entzündung der Bauch gespült werden musste. Das einzig wirklich seltsame war, dass ich noch einige Zeit nach der OP das Gefühl hatte, dass alle meine Organe an einem anderen Ort seien als vorher…ob die nun wirklich bei der OP kurzzeitig verschoben wurden, hat mir aber keiner gesagt. Nach 7 Tagen durfte ich nach Hause, hatte aber noch für weitere 4-5 Wochen einen geschwollenen Bauch, der jeder Schwangeren Ehre gemacht hätte. Auch das Schlafen ist am Anfang ungewohnt, da man noch sehr deutlich die Verletzung spürt und sich nicht zu viel bewegen sollte, damit die Narbe nicht aufplatzt. Ab und zu wurde mir in den ersten Wochen noch ordentlich schwindelig und einmal bin ich sogar ohnmächtig geworden, aber ansonsten kann ich mich über den Heilungsprozess nicht beschweren. Tja und heute 8 Monate später hab ich eine furchtbar hässliche Narbe überhalb des Bikinirandes pranken, die aber nach und nach wenigstens die rötliche Färbung verliert. Ich habe sie liebevoll Nadie genannt, denn sie werde ich nicht mehr los – außerdem gilt: Wer Narben hat, hat was erlebt! |
